Sauftour mit Folgen (heute Spielwaren Daubmeier)

Ein Schlückchen in Ehren kann niemand verwehren – doch was sich Kaplan Johannes Baptist Wolf am 24. April 1832 leistete, schlug dem Fass den Boden aus. Bereits um ein Uhr nachmittags hatte er sich beim Speisewirt (heute Johannis-Apotheke am Hauptplatz) einen solchen Rausch angesoffen, dass er nur auf einen Bauern gestützt heim in die Scheyerer Straße 6 fand. Der Gottesmann war zur Untermiete beim Rotgerber einquartiert, welcher damals feste Lederwaren wie Sättel, Schuhsohlen und Stiefel herstellte. Der Rotgerber hatte einen großen Bauernhof und so musste Hochwürden „durch den Hofraum des Ökonomiegebäudes, der – mit Verlaub zu sagen – von Dünger und von verschiedenen Tieren angefüllt und mit Viehställen umgeben war." Das Ganze spielte sich unter den Augen der Besucher des Wochenmarktes ab, Gassenjungen begleiteten den Geistlichen und trieben ihre Späße mit ihm.

Doch damit nicht genug: Der Kaplan zog, nachdem er wankend einen Rosenkranz abgehalten hatte, abends weiter in das Kratzer´sche Gasthaus (heute Bäckerei Bergmeister am Hauptplatz). Dort berauschte er sich weiter und belästigte eine Zwölfjährige, die er „auf die unanständigste Weise anhaltend kitzelte". Wenig später wurde der fragwürdige Gottesmann in die Nähe von Friedberg versetzt.

Der Aktionsradius des durstigen Kaplans Wolf war weitgehend auf den oberen Hauptplatz beschränkt.